Vom historischen "Bradeneshelda" bis hin zum heutigen Dorfprozelten

In seiner geschichtlichen Gründungszeit um die 1. Jahrtausendwende gehörte "Bradeneshelda, Alten- oder auch Niedernbradselden" zum Einflussbereich der Schenken von Klingenberg / Prozelten und der Grafen von Wertheim.

1373 gelangte es durch Kauf und Schenkungen in Besitz des mächtigen Deutschen Ordens. 1483 vertauschte der Deutsche Orden den Ort an das "Churfürstentum" Mainz. Dorfprozelten blieb im Besitz der Mainzer, bis es 1806 an das Königreich Bayern fiel. 

 

 

Die bisher älteste Zeichnung unseres Dorfes "Dorff Brotzell" aus dem Jahre 1593.
Der Ausschnitt ist der "Geleitkarte des Staatsarchivs Wertheim R 52/4" entnommen.

 

 

 

In der Gründungszeit war das Leben in der Gemeinde vornehmlich durch den Weinbau, die Wasserstraße Main und den Fischfang geprägt. Schon um 1350 finden sich in den Steuerlisten des "Urbar" des Deutschen Ordens größere Rebflächen, die sich nach und nach zum Haupterwerbszweig der Bevölkerung entwickelten. Noch heute künden zahlreiche "Wengertmauern" an den umliegenden Berghängen von der mühevollen, aber doch einträglichen Arbeit der Bewohner. Der "Prözler Rote" vom "Galgenrain", vom "Rotenhäuser" und "Predigtstuhl" war weit über die Grenzen des Heimatbereiches beliebt und geschätzt.

 

 

 

Abbildung von "Dorff Brotzeln" aus dem Jahre 1612 aus der Rüdschen Jagdgrenzkarte - sie stammt aus dem "Bayerischen Hauptstaatsarchiv München - Plansammlung 10705". 

 

 

 

 

Um 1700 blühte das Schiffergewerbe auf, das mit der wachsenden Ausbeutung der Buntsandsteinbrüche ab 1750 "Arbeit und Brot" für viele Bewohner brachte. Steinbrecher, Steinhauer, Steinmetze, Schiffmänner und Schiffsknechte waren die meisterlernten Berufe in den letzten Jahrhunderten. Dorfprozelten erarbeitete sich im letzten Jahrhundert den Titel: "Größte Schiffergemeinde Deutschlands".

In neuester Zeit hat das etwa 1900 Einwohner zählende Dorf einen enormen Strukturwandel erlebt. Große gemeindliche Investitionen ermöglichten den Aufbau einer modernen und leistungsstarken Infrastruktur, ohne dem Dorf seinen typischen, lebendigen Charme zu nehmen.

Besondere Vorteile ergeben sich heute für die Gemeinde durch die Einbindung im "Naturpark Spessart". Erholung und Entspannung in und um die großen Waldbestände und viele sportliche Betätigungsmöglichkeiten werden geboten, besonders auch durch die ausgezeichnete Anbindung an das Maintal-Radwegnetz.

Die unter Naturschutz stehenden Buntsandsteinbrüche, der Schiffermast als Wahrzeichen der Gemeinde, ein informatives Heimatmuseum und die neuromanische St. Vituskirche mit erlesenen Kunstwerken der Gebrüder Matthäus, Rudolf und Heinz Schiestl prägen das heutige Dorfprozelten. Ausgedehnte Wanderwege mit einem aufgeschlossenen, herzlichen Menschenschlag laden zu einem Besuch ein.