31.01.2011

PressemitteilungRodung der Dorfprozeltener Obstplantage

Was vor 45 Jahren mit großem Elan begonnen und in gemeinschaftlichem Einsatz 1967 vollendet wurde, fällt heute schwerem Rodungsgerät zum Opfer, die Dorfprozeltener Obstplantage.

Bürgermeister Dietmar Wolz wies in der Gemeinderatssitzung darauf hin, dass die Untere Naturschutzbehörde auf dem Landratsamt Miltenberg die Rodung genehmigt hatte. Bedingung ist aber, dass hier extensiv genutzte Wiesen mit maximal zweimaliger Mahd entstehen sollen. Zulässig ist auch die Anpflanzung hochstämmiger Apfelbäume auf einer Teilfläche. Es wird darauf hingewiesen, dass die Heckenstrukturen am Wegrand zu erhalten sind.

Im Jahr 1966 hatte sich eine engagierte Truppe von Männern um Josef Brand, Hans Prechtl, August Wolz, Willi May, Eugen Zöller, Karl Holzmeister und Albert Brand zusammengefunden, die auf der ungenutzten Bichelberghöhe - Sozialbrachfläche - eine große Obstplantage anlegen wollten. 1966 wurde dafür der Obstanbauverein gegründet, man erhoffte sich, damit einen kleinen Nebenverdienst zu schaffen. Gemeinsam wurde ein etwa 12 Hektar großes Areal - in Besitz der Gemeinde und der Katholischen Kirchenstiftung - verplant, entsteint, gerodet und für die Pflanzung vorbereitet. Gerechnet hat man mit Gesamtkosten von 56.000 Mark, im Endeffekt sind es aber 90.000 Mark geworden. Doch mit der Eigenleistung der Mitglieder konnten davon 40.000 Mark eingespart werden. Geplant war auch, insgesamt 7.800 Bäume zu setzen, am Ende waren es dann aber 9.900. Der Gesamtbestand war in Einzellose an die Mitglieder und den Verein aufgeteilt.


 

Der Golden Delicious war der Hauptapfel, er stand damals in hohem Ansehen, dazu kamen Jonathan, Boskop, James Greave und Goldrenetten. Doch man wollte auf zwei Beinen stehen und pflanzte auch Sauerkirschen, gewählt wurde die Schattenmorelle. August Wolz war der Akteur vor Ort, der sich um den Gesamtbestand kümmerte, Josef Brand, der 1. Vorsitzende , leitete die Geschicke des Obstanbauvereins. Erfreulich, dass man in den Folgejahren recht vorzeigbare Ergebnisse erwirtschaften konnte.

Um 1990 stand man vor der Entscheidung, Neuanpflanzungen vorzunehmen oder die Anlage aufzulassen. Ausgelegt war die Plantage auf etwa 25 Jahre und dies wurde im Verein eingehalten. 1991 wurde die Plantage dann stillgelegt, die Aufwandskosten überstiegen die Erträge. Seither wird die Plantage nicht mehr bewirtschaftet und verheckte und verbuschte vollkommen. Sie wucherte zu einem fast undurchdringlichen Gewirr von alten Obstbäumen, Eichen, Schwarzdorn und Brombeerhecken heran und bildete ein ideales Versteck für zahlreiche Schwarzkittel.
Um der weiteren Verwilderung vorzubeugen, beschloss der Gemeinderat in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde, das Gelände roden zu lassen und einer extensiven Nutzung zuzuführen.

Text und Bilder: Georg Veh